Leute in Seeheim-Jugenheim: Peter Tränklein

Heiligenberg, 64342 Seeheim-Jugenheim

Peter Tränklein ist ein gebürtiger Stuttgarter, der schon lange an der Bergstraße heimisch geworden ist. „Stuttgart fehlt mir nicht, das ist für mich nur noch eine Besuchsstation“, stellt der Journalist fest, der mit 61 Jahren als Kreispressesprecher in den Ruhestand gegangen ist.

Zuvor arbeitete der 1948 Geborene in seinem langen Berufsleben unter anderem auch als Koordinator beim Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das war eine tolle Zeit“, stellt er dazu fest, und man hört deutlich heraus, wie sehr ihm die Aufgabe gefallen hat. Danach hatte er ein Angebot des Diners Club, als Herausgeber dessen Club Magazin aufzuwerten. Seine journalistische Laufbahn begann er schon als Schüler, als er Sportberichte schrieb und als Redaktionsbote arbeitete. Ein Volontariat bei der „Stuttgarter Zeitung“ war daraus die logische Konsequenz. 
„Mein Fernweh habe ich in den Jahren meiner Tätigkeit als Reisejournalist ausgelebt“, erzählt er. Er hat dabei alle Erdteile besucht, mit Ausnahme von Australien. Seine Lieblingsinseln sind das italienische Procida und das dänische Bornholm. „Eigentlich bin ich kein Italienfan gewesen.“ Doch seine Ehefrau Kathrin überzeugte ihn von den Schönheiten zunächst der Toskana. Inzwischen ist er wie Kathrin bekennender Italienfan, hat Italienisch gelernt, damit er sich dort mit den Menschen unterhalten kann, und hat Italien von Ligurien bis Sizilien bereist. Besonders spektakulär war die Reise der beiden im roten Smart-Cabrio von Seeheim-Jugenheim bis nach Sizilien. 
Doch die Ferne braucht er inzwischen weniger. „Durch meine Arbeit als Pressesprecher des Landkreises habe ich die Gegend hier an der Bergstraße und im Odenwald so richtig schätzen und lieben gelernt.“ Für ihn sei das Leben in einem eher kleinen Ort optimal, da er nicht gerne in einer Großstadt wohnen möchte. „Hier bin ich mitten in der Natur, kann wandern oder mit dem Rad fahren und die landschaftlichen Schönheiten des Odenwalds erkunden.“ Mit zwei seiner Nachbarn geht er gern in den Wald vor der Haustür zum Steinpilzsammeln. 
Durch einen Zufall entdeckten Kathrin und Peter Tränklein das anheimelnde Fachwerkhaus in Jugenheim, in dem sie heute wohnen, nachdem sie zuvor in Bickenbach ansässig waren. „Wir hatten schon längere Zeit ein Auge drauf geworfen, mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, wenn es unser Haus würde“, berichten die beiden. Als das Haus dann tatsächlich frei wurde, haben sie sich zum Kauf entschlossen, es nach ihren Bedürfnissen ausgestattet und den kleinen Bauerngarten ringsherum angelegt. „Wir sind hier im Ort gut vernetzt, haben eine gute Nachbarschaft mit großer Hilfsbereitschaft. Das erhöht spürbar unsere Lebensqualität“, macht Tränklein deutlich. 
Jetzt im Ruhestand ist es keineswegs seine Art, sich entspannt zurückzulehnen und die anderen arbeiten zu lassen. So engagiert er sich für die Stiftung Heiligenberg, deren Beiratsmitglied er ist und deren Öffentlichkeitsarbeit er, wie könnte es anders sein, gern übernommen hat. Mit viel Spaß war er auch bei der Umgestaltung des sogenannten „Russenhauses“ dabei, das für die Dienerschaft der russischen Zaren errichtet wurde und nun als Informationszentrum dient. „Die Stiftung hat für den Heiligenberg Großes geleistet“, zieht er eine positive Bilanz aus der ehrenamtlichen Arbeit rings um Pflege, Vermietung und Erhaltung des Schlosses. „Zeitweilig war das meine Hauptbeschäftigung“, erzählt er. 
Zusammen mit seinen drei Enkeln, Tilda, Marlotta und Valentin, hat er einen Detektivmalblock für Kinder zum Schloss entwickelt. Unter dem Titel „Die verschwundene Pickelhaube“ ist er im „Russenhaus“ zusammen mit Buntstiften für Kinder erhältlich. Im Mittelpunkt steht dabei die Pickelhaube des Prinzen Andreas von Griechenland, dem Vater des britischen Prinzen Philipp, Gatte von Königin Elizabeth II. Mit dem Block in der Hand können die Kinder eine Rallye durch die Schlossanlage mit Badehäuschen, Spielhaus oder auch zu der Klosterruine unternehmen, dabei den dreisten Räuber ermitteln und zugleich eine Menge über den Heiligenberg erfahren.
Neben der Arbeit in der Stiftung bringt sich Peter Tränklein nach der Berufszeit jetzt als Mitglied der SPD-Fraktion in der Seeheim-Jugenheimer Gemeindevertretung in die Kommunalpolitik ein. Er macht die Pressearbeit für die Fraktion und hat unter anderem einen monatlich erscheinenden Newsletter entwickelt. Schließlich hat er für den ehemaligen Förderverein der Seeheimer Ringer eine Zeit lang die Öffentlichkeitsarbeit übernommen und diverse Projekte für die Nachwuchsförderung erfunden. Besonders freute ihn dabei, dass eine Patenschaftsaktion und das gemeinsam mit dem Schuldorf Bergstraße erstellte Konzept „Morgens Mathe, mittags Matte“ großen Anklang fanden. Und da er das Wörtchen „nein“ nicht wirklich in seinem Wortschatz hat, produzierte er für den Verkehrs- und Verschönerungsverein Jugenheim diverse Broschüren und Flyer in mehreren Sprachen. Zudem unterstützt er seine Frau Kathrin bei der Leitung der Zweigstellen der Kreisvolkshochschule in Bickenbach, Alsbach-Hähnlein und Seeheim-Jugenheim. Gemeinsam sind sie bei der Arbeiterwohlfahrt Jugenheim aktiv. Für deren Basar oder Kerwe-Kaffee stellt sich Peter Tränklein dann auch mal gerne an den Backofen und backt Kuchen.
Als Journalist schätzt Peter Tränklein die Sprache und den spielerischen Umgang mit ihr. So sucht er sich lange Wörter aus, aus deren Buchstaben er neue Wörter bildet. Rekordverdächtig ist sein längstes Wort, die aus dem Behördendeutsch stammende „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertra-gungsverordnung“. Aus diesen 68 Buchstaben entwickelte er mehr als 4000 neue Wörter. Darüber hinaus sammelt er gern sprachliche Kuriositäten wie „Kurios ist, wenn eine Betrunkener nicht für voll genommen wird“, „Kurios ist es, wenn ein Kofferdieb bei der Polizei auspackt“ oder „Kurios ist es, wenn sich ein Weinpanscher verdünnisiert.“ Dazu zieht er gern den Universalduden zu Rate. Sein wacher Verstand befähigt ihn noch zu vielen weiteren Spielen mit der Sprache, für die er eine echte Begabung hat. Er löst auch mit großer Leidenschaft verzwickte Kreuzworträtsel, zum Beispiel in der FAZ, und hat selbst ein großes Kreuzworträtsel mit 300 Fragen und 1200 Kästchen entwickelt – sehr zum Leidwesen von Freunden, die sich damit abplagen durften. Als besondere Beispiele für den Umgang mit Sprache über den Übersetzungscomputer hat er als neuestes Projekt kuriose Übersetzungen von Ferienhausbeschreibungen im Internet herausgefunden und gesammelt: „Der Brunnen ist ein schönes Landhaus“ oder „Ferienhaus mit Sehkraft Capri“. Und weil das immer noch nicht genug ist, hat er aus purem Spaß an der Freud’ die Darmstädter Lokalposse „Datterich“ vom Hessischen komplett ins Schwäbische übersetzt.
Auch wenn er nun schon lange an der Bergstraße lebt und hier täglich mit dem südhessischen Dialekt konfrontiert wird, ist ihm eine besondere Beziehung zur schwäbischen Mundart geblieben, deren unverwechselbarer Tonfall noch immer in Tränkleins Sprache deutlich zu hören ist. „Ein Schwabe kann nie gut Hochdeutsch sprechen“, ist dabei sein Credo. „Ich stamme aus einer schwäbischen Familie und bin zu Hause mit meinem Dialekt aufgewachsen, da bleibt man immer mit verwachsen“, sagt Tränklein. Sein größtes Problem indes ist, dass er es in mehr als 30 Jahren Bergstraße nicht geschafft hat, seiner beruflichen und privaten Umgebung ein paar schwäbische Laute beizubringen. Dabei sei das Schwäbische ja eine Weltsprache, behauptet Tränklein. So akzeptiert er die Ignoranz auf schwäbische Art: „So isch noa au widder.“ 
 

Ein Beitrag von Claudia Stehle für das Buch “Vielfalt hat Gesichter - Menschen in Darmstadt-Dieburg”, Hrsg. LAG im Standortmarkteting Darmstadt-Dieburg e.V., 2. Auflage 2017, ISBN 978-3-00-052844-6

 

Im Februar 2026 ist Peter Tränklein verstorben.

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