Seit etwa 325 Jahren steht die Langfeldsmühle am Ortsausgang des Babenhäuser Stadtteils Hergershausen. Das imposante Anwesen mit einem lang gestreckten Wohnhaus im Fachwerkstil, den einstigen Stallungen und Scheunen, prägt das Ortsbild wie die Dorfkirche und die liebevoll gepflegten Hofreiten rund um den „Dalles“, wie der Marktplatz in Hergershausen heißt.
In all den Jahrhunderten hatte die Mühle eine bewegte Geschichte. Unter ihrem Dach erlebten wechselnde Besitzer heitere und traurige, glückliche und unheilvolle Stunden. Unberührt von allen Ereignissen plätschert und murmelt neben der Langfeldsmühle seit jeher die Gersprenz. Zwischenzeitlich fiel die Mühle gar in eine Art Dornröschenschlaf, bis Thomas Winter das Anwesen kaufte mit dem Ziel, ihm behutsam neues Leben einzuhauchen.
„Ich hatte schon als Kind großes Interesse an der Langfeldsmühle“, erzählt der Siebenundvierzigjährige. Aufgewachsen im alten Hergershäuser Ortskern, konnte er von seinem Zimmerfenster aus das historische Anwesen sehen, um das sich zahlreiche Geschichten rankten. „Das große Hoftor der Mühle war früher stets verschlossen, deshalb war es ganz unserer Fantasie überlassen, wie es dahinter wohl aussah. So wurde die Langfeldsmühle für uns Kinder zu einem geheimnisvollen, mystischen Ort voller Abenteuer“, erinnert sich Thomas Winter.
Gelegenheit, den „geheimnisvollen Ort“ zu betreten, bekam er erst viele Jahre später, als die Mühle zum Verkauf stand. „Ich war 40 Jahre alt, als ich zum ersten Mal durch das Tor gehen konnte.“ Zahlreiche Ideen, wie das Gehöft genutzt werden könnte, nahmen vor Ort Gestalt an, wurden zu Bildern, erhielten eine fast greifbare Form. „Bevor ich die Mühle kaufte, stand für mich fest, dass das Gebäude künftig nicht mehr verschlossen sein soll. Das Anwesen sollte mit Leben erfüllt und zu einem Anziehungspunkt für alle Menschen werden, die an der Region und ihrer Geschichte interessiert sind.“
Ein Teil der ehemaligen Stallungen sollte zum Ausflugslokal werden, ein Biergarten sollte in den Sommermonaten Wanderer und Radfahrer zum Einkehren und Genießen einladen. Der Mühlenhof sollte zur Kulisse für Konzerte werden, das Fachwerkhaus weiterhin bewohnt bleiben. Die umliegenden Koppeln boten sich für die Pferdehaltung an.
„Doch von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein langer Weg“, sagt Winter, der als gelernter Drucker zwar über viel Wissen und Geschick in handwerklichen Dingen verfügt und gut einschätzen kann, was machbar ist und was nicht. „Ich hatte aber kaum Erfahrung in der Gastronomie. Zudem steht das Anwesen unter Denkmalschutz, weshalb bei baulichen Veränderungen enge Absprachen mit den zuständigen Behörden nötig sind.“
Doch mit seinen Konzepten konnte er ebenso überzeugen wie mit seiner aufgeschlossenen, herzlichen Art, für die der „Hergershäuser Bub“ in seinem Heimatort bekannt ist. Lange bevor sein Traum vom Ausflugslokal Wirklichkeit wurde, öffnete der neue Mühlenbesitzer am deutschen Mühlentag die Tore, führte Besucher durch das Anwesen, sammelte erste Erfahrungen als Gastgeber.
„Zur ihrer Blütezeit standen etwa 180 Berufe in Zusammenhang mit den Mühlen“, sagt Winter. Davon zeugen noch heute Namen wie Pulver- und Hammermühle, Drahtzieh- und Holzmühle. Überall dort, wo Mühlen standen, gab es schon früh eine gut ausgebaute Infrastruktur, gab es Arbeit, Handwerk, Fortschritt, und nicht zuletzt Nahrung. „Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Hergershäuser mit einer Handvoll Korn vor der Langfeldsmühle Schlange, um das Getreide mahlen zu lassen“, weiß Thomas Winter.
„Die Mühlentage brauchen eine gute Vorbereitung. Schließlich möchte man seinen Gästen neben der Unterhaltung auch Informationen bieten. Deshalb habe ich viele Gespräche mit älteren Dorfbewohnern geführt, mich tief in die Geschichte der Mühle und des Ortes eingearbeitet.“
Seit fünf Jahren öffnet Winter am Deutschen Mühlentag die Tore für die zahlreichen interessierten Besucher. Ein Anziehungspunkt ist stets die Turbine, die aus Wasserkraft Strom erzeugt. Damit ist die Hergershäuser Langfeldsmühle eine der wenigen, die noch in Betrieb ist. Winters Eltern, bekannte und erfolgreiche Rosenzüchter, stellen die Königin der Blumen in der Mühle aus, lokale Künstler zeigen ihre Arbeiten. Auch Pferdefreunde kamen in den ersten Jahren auf ihre Kosten. Die renommierte Pferde-Expertin Judith Mauß lebte einige Zeit in der Mühle, gab dort Einblicke in die modernen Erkenntnisse der Kommunikation zwischen Pferd und Mensch.
Über ihre Arbeit wurde auf der Langfeldsmühle bereits eine Fernsehdokumentation gedreht. Überhaupt ist die Mühle inzwischen eine mediale Berühmtheit geworden. 2014 war an zwei Tagen ein vielköpfiges Fernsehteam bei Thomas Winter zu Gast, drehte dort Szenen für einen TV-Krimi nach einem Buch der Autorin Nele Neuhaus. Der „Location Scout“ einer Produktionsfirma hatte die Langfeldsmühle als Drehort ausfindig gemacht. Entscheidend war auch hierbei das mystische Flair, das das Anwesen noch immer ausstrahlt.
Für die Aufnahmen mussten Teile des liebevoll restaurierten Hofs in einen Zustand versetzt werden, den Thomas Winter zurückhaltend als „ungepflegt“ bezeichnet. „Das hat schon etwas geschmerzt, da ich sonst viel Wert darauf lege, dass die Mühle in einwandfreiem, adretten Zustand ist“, sagt er schmunzelnd. „Insgesamt war der Filmdreh eine spannende und bereichernde Erfahrung für mich, meine Familie und den ganzen Ort.“
Der Mühlenbesitzer selbst spielte auch eine kleine Rolle, die ihm spontan von der Produzentin gewissermaßen auf den Leib schrieben wurde. Der Film-Crew ging es ähnlich wie Thomas Winter – sie erlebte außergewöhnliche Stunden in der Langfeldsmühle. Wo sonst wird ein Film-Team in einem zum Drehort gehörenden Lokal vom Eigentümer - und frischgebackenen Schauspieler - mit regionalen, bodenständigen Speisen bewirtet?
Frische, ehrliche Produkte aus der nahen Umgebung sind eine Art Markenzeichen der Langfeldsmühle geworden. „Der Bezug zur Region war mir von Beginn an wichtig“, sagt Thomas Winter. Inzwischen stellt seine Mühle nicht mehr nur einen Bezug zur Region her, sondern ist längst ein prägender Teil davon geworden. (Melanie Schweinfurth)
Ein Beitrag von Melanie Schweinfurth für das Buch “Vielfalt hat Gesichter - Menschen in Darmstadt-Dieburg”, Hrsg. LAG im Standortmarkteting Darmstadt-Dieburg e.V., 2. Auflage 2017, ISBN 978-3-00-052844-6
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An der Langfeldsmühle, 64832 Babenhausen
Die Langfeldsmühle liegt im Babenhäuser Stadtteil Hergershausen direkt am Wassererlebnisband Gersprenz, ein beliebter Radweg, der von Reichelsheim nach Stockstadt am Main führt - oder umgekehrt.
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