150 Hektar Land, vier Ställe, 12.000 Hühner – wer Thomas Schaffer auf dem Birkenhof bei Klein-Zimmern besucht, sollte schon vorab große Dimensionen vor Augen haben. „Viele Menschen überrascht vor allem die Zahl der Hühner“, sagt der Bio-Landwirt.
Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ seien oft mit etwas anderen Vorstellungen verbunden. Gern denke man an buntes Federvieh, umgeben von flauschigen gelben Küken, dazu ein stolzer Hahn, womöglich noch auf einem Misthaufen. Zahllose reich bebilderte Magazine befördern Monat für Monat die Vorstellung des beschaulichen Landidylls in pittoresken Bauernkaten. Doch in Wahrheit ist gerade die Bio-Landwirtschaft vor allem eins: arbeitsreich.
Sicher – auch Thomas Schaffer lebt mit seiner Familie idyllisch. Sein Zuhause ist behaglich und lebendig zugleich. Das lichtdurchflutete Wohn- und Esszimmer mit offener Küche und viel Holz verströmt eine Art Öko-Charme, der Fußboden ist übersät mit Spielzeug – kürzlich ist der Achtunddreißigjährige zum zweiten Mal Vater eines Sohnes geworden –, dazwischen liegt Hofhund Lusie, die hin und wieder träge zu ihrem Herrchen aufblickt. Zum Kaffee gibt es Bio-Milch aus der „Gläsernen Molkerei“.
Gegen die romantisch idealisierte Darstellung des bäuerlichen Lebens habe er im Grunde nichts, sagt Schaffer. „Allerdings muss man dadurch als Landwirt mehr erklären.“ Vor allem die Frage, warum eben nicht nur eine Handvoll Hühner im Hof nach Körnern pickt, werde hin und wieder gestellt. Die Antwort darauf ist einfach: Auch Öko-Landwirte müssen wirtschaftlich denken. Dabei befinden sie sich in einem Spannungsfeld zwischen dem respektvollen, schonenden Umgang mit Tieren, Nutzpflanzen und Boden und dem Erwirtschaften von Gewinn.
„Bio-Lebensmittel werden immer stärker nachgefragt“, weiß Thomas Schaffer. Da die Produktion in Deutschland der Nachfrage hinterherhinkt, finden sich in den Supermarktregalen vermehrt Bio-Produkte ausländischer Herkunft. Teilweise werden die Waren über mehrere Tausend Kilometer transportiert. So werde jedoch der Sinn der ökologischen Landwirtschaft konterkariert, sagt der Klein-Zimmner. „Kurze Wege und ein regionaler Bezug sind sehr wichtig. Die Verbraucher sollen sehen können, wo und wie ihre Lebensmittel erzeugt werden.“ So gibt es auf dem Birkenhof keine Geheimnisse. Wer im Hofladen einkauft, kann sich zuvor selbst ein Bild davon machen, wie die Hühner leben, die pro Tag zwischen 8000 und 10000 Eier legen.
Schaffer hält die Tiere in vier Gruppen, wobei sich sechs Hühner einen Quadratmeter Flächeteilen. Damit haben die Tiere allein im Stall deutlich mehr Platz als Hühner in Bodenhaltung. Hinzu kommen ein Wintergarten sowie ein großzügiges Freigehege, in dem sich die Tiere nach Belieben aufhalten können. Rein rechnerisch stehen einem Huhn so allein im Freigehege vier Quadratmeter Platz zur Verfügung. Doch Thomas Schaffer geht es um mehr als ein Rechenexempel. „Ich möchte sehen und spüren, dass es den Tieren auf meinem Hof gut geht. Der Anblick entspannter, gesunder und zufriedener Tiere erfüllt mich ebenso mit Zufriedenheit.“
Gehört also auch ein wenig Idealismus dazu, einen konventionell betriebenen Hof auf Öko-Landwirtschaft umzustellen? „Man muss schon mit dem Herzen dabei sein“, findet er. Denn vonseiten der Politik seien Landwirte, die auf Öko-Landbau umstellen wollten, in der Vergangenheit nicht ausreichend unterstützt worden. Allmählich setze ein Umdenken ein.
Thomas Schaffer hat den Schritt dennoch gewagt und seinen in weiten Teilenvom Bioverband „Naturland“ zertifizierten Hof um einige pfiffige Ideen ergänzt. So verpachtet er seit einigen Jahren Gartenparzellen an Menschen, die keinen eigenen Garten haben, aber dennoch ihr eigenes Gemüse und selbst gezogene Kräuter ernten möchten. „Die Pächter können mit entscheiden, was in ihrem Saisongarten wachsen soll“, sagt Schaffer. „Zwei Pflanzreihen bleiben frei. Dort können die Gärtner vomSäen und Pflanzen über diePflege bis zur Ernte den kompletten Wachstumskreislauf erleben.“ Zum eigenen Garten, für dessen Bewirtschaftung ebenfalls die strengen Naturland-Kriterien gelten, gehört auch, dass die Pächter hin und wieder überraschende Erfahrungen machen.
„Chemische Pflanzenschutzmittel und mineralische Dünger sind nicht erlaubt“, erklärt der Bio-Landwirt. Abhängig von der Witterung und anderen Einflüssen könne es schon einmal vorkommen, dass die Ernte nicht so üppig ausfällt wie gewünscht. „Mit der Zeit lernt man, den Zustand des Bodens und der Pflanzen zu deuten beides so zu pflegen, dass man im Spätsommer eine reiche Ernte einfährt. Dazu gibt es von uns Tipps zur biologischen Schädlingsbekämpfung.“ Kindergartengruppen und Schulklassen stellt er Parzellen unentgeltlich zur Verfügung. „Ich möchte Kindern die natürlichen Kreisläufe nahebringen“, sagt Thomas Schaffer. Auch für Erwachsene sei es eine bereichernde Erfahrung, das Zusammenspiel von Boden, Luft, Wasser und dem Wachstum der Pflanzen zu begreifen.
Inzwischen ist auf dem Birkenhof neben Anbau und Ernte auch die Verarbeitung der Lebensmittel möglich. Erdbeeren und Spargel, die derzeit noch konventionell angebaut werden, sollen ebenfalls auf Naturland-Anbau umgestellt werden. Im Hofladen, den Thomas Schafferumgebaut und erweitert hat, gibt es ein beeindruckendes Sortiment an Bioprodukten. Gleichneben dem Laden ist eine Eventküche entstanden, in der Gruppen Gesundes und Schmackhaftes gemeinsam zubereiten und später in geselliger Runde tafeln können. Bis zu 16 Personen können es sich dort gemütlich machen, entweder selbst kochen oder sich vom Birkenhof-Team in gastlichem Ambiente ein Menü zusammenstellen und zubereiten lassen. Die Eventküche im Birkenhof verbindet Bodenständigkeit mit Innovation, wovon sich auch schon Gäste aus den Groß-Zimmerner Partnergemeinden gern überzeugten.
Konventionellen Landwirten möchte Thomas Schaffer die Angst vor einer Umstellung nehmen. „Vom Öko-Landbau kann man gut leben“, sagt er. „Was man braucht, ist etwas Mut und Optimismus.“ Den Mut verleiht im vor allem die Familie: „Seit ich Vater bin, sehe ich die Welt noch einmal mit anderen Augen.“ (Melanie Schweinfurth)
Ein Beitrag von Melanie Schweinfurth für das Buch “Vielfalt hat Gesichter - Menschen in Darmstadt-Dieburg”, Hrsg. LAG im Standortmarkteting Darmstadt-Dieburg e.V., 2. Auflage 2017, ISBN 978-3-00-052844-6
Birkenhof Hofladen, Thomas Schaffer
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