Sein Gesicht kennen die meisten aus der heute-show. Seit 2009 verkörpert der Schauspieler Hans-Joachim Heist in der ZDF-Satire-Sendung den Choleriker „Gernot Hassknecht“, der sich über die aktuelle Politik echauffiert.
Hajo Heist: „Das Südhessische ist meine eigentliche Muttersprache“
Hans-Joachim Heist ist vielen Fernsehzuschauern in Deutschland ein fester Begriff geworden, nachdem er in der Verkörperung descholerischen Kommentators Gernot Hassknecht in der „Heute-Show“ zu einem Gesicht dieses Formats geworden ist, sozusagen die „Mutter aller Wutbürger“.
Heist ist in diese Satiresendung des ZDF bereits recht früh in der fünften Ausgabe eingestiegen und ist mit der Hassknecht-Rolle zu deren heimlichem Star geworden. „Der Hassknecht polarisiertdie Zuschauer“. Mit seinen Zornesausbrüchen gegen Ende seines jeweiligen Kommentars zeige er eine bestimmte Facette seines schauspielerischen Könnens. „Auch wenn man es auf den ersten Blick vielleicht nicht so wahrnimmt, der Hassknecht ist für mich eine große Herausforderung“, macht Hans-Joachim Heist deutlich. Alle zwei Wochen reist er freitags nach Köln, wo im Studio ab 10 Uhr die Proben für die Aufzeichnung der „Heute-Show“ beginnen. Nach der Generalprobe wird die Sendung ab 18 Uhr vor Publikum aufgezeichnet und am selben Abend um 22.30 Uhr bundesweit ausgestrahlt. Damit sei diese Sendung und das darin aufgegriffene Thema von höchster Aktualität und mit direktem Bezug zur Tagespolitik. Zuden festen Bestandteilen von Hassknechts Tiraden gehört die Gattin Renate, über die er sich ebenfalls in Rage redet, die allerdings stets unsichtbar bleibt. „So kann sich jeder Zuschauerein eigenes Bild von ihr machen“, stellt Heist fest.
„Wir suchen uns für meine Kommentare und Boshaftigkeiten keine Zielpersonen aus, vielmehr bieten sie sich uns an durch ihr Verhalten, ihr Auftreten im politischen Kontext“, unterstreicht Heist im Gespräch. Gernot Hassknechtsei eine erarbeitete Figur, die sich immer entsprechen müsse. „Das erwartet unser Publikum“. Wenn er einmal keine heftigen Ausbrüche zeige, kämen sofort Anfragen nach dem Beruhigungsmittel, das man ihm möglicherweise verabreicht habe. „Aber eigentlich will ich gar nicht immer diese Erwartungen erfüllen“, sagt er. In jüngeren Ausgaben der „Heute-Show“ tritt er zwar auch als Hassknecht, aber manchmal in etwas anderen Rollen auf. So hat er sich im September 2014 über die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen echauffiert, aber in Generalsuniform von Bundeswehr TV als Gernot Hassknecht, Vorsitzenderdes Verbands bewaffneter Pazifisten. Ein anderes Mal trat er im weißen Gewand eines Gurus in völliger Friedfertigkeit und mit vielen weisen Ratschlägen auf, bis die alte Cholerik wieder durchschlug. In der „Heute-Show“ tritt er auch in anderen Funktionen auf, etwa in den Kategorien „Onkel Gernots Märchenstunde“ oder in „Nepper, Schlepper, Volksverarscher“.
Seit September 2013 geht er mit der Figur des Gernot Hassknecht auch auf Tournee. „Das Hassknecht-Prinzip – in zwölf Schritten zum Choleriker“ lautet derTitel dieses Programms, mit dem er zwischen120 und 140 Auftritte pro Jahr absolviert. Inzwischen ist es auch vom ZDF aufgezeichnet worden. „Ich bin gern unterwegs und auf wechselnden Bühnen“, stellt er dazu fest. „Das Hassknecht-Prinzip“ ist als Comedy aufgebaut, als Parodie und Persiflage und enthält Einspieler und Kommentare aus der „Heute-Show“, wird aber ständig aktualisiert. Auf der Bühne erlebten ihn seine Zuschauer als Hassknecht anders als im Fernsehen. Die Zuschauer seien dabei von ihm begeistert, die Säle ausverkauft. „Viele sagen mir nach Programmende: ‚Mein Mann/Vater ist genauso wie Gernot Hassknecht‘“, berichtet er von Kontakten mit seinen Zuschauern. Wie die Rolle des Hassknecht selbst sei auch das Tourneeprogramm für ihn eine Herausforderung. Für ihn bedeutet diese Festlegung, dass er längerfristig andere Verpflichtungen wie die Übernahme von Filmrollen oder von Regieaufgaben nicht annehmen kann. „Man muss halt Prioritäten setzen“, stellt er fest.
Mit der Politik, die er in seinen Kommentaren in der „Heute-Show“ aufgreift, kennt sich Hans-Joachim Heist gut aus, denn bis zuden großen Erfolgen in dieser Comedy war er selbst aktiv in der Kommunalpolitik in Pfungstadt, in dessen Stadtteil Eschollbrücken er lebt. Er war Mitglied in der SPD-Fraktion des Stadtparlaments bis Dezember 2011. „Eigentlich bedaure ich es ein wenig, dass ich wegen meiner Hassknecht-Tournee und der vielen Fernsehverpflichtungen in der Pfungstädter Kommunalpolitik jetzt politisch kürzer getreten bin.“ Inzwischen hat er allerdings dorthin zurück gefunden. Zwar ist er nicht im Parlament, aber er wurde zum Vorsitzenden der Kulturkommission gewählt, einem Unterstützungsorgan des Magistrats.
Trotz seiner beruflich bedingten Weltläufigkeit als Schauspieler, der zu Dreharbeiten, zum Beispiel für den Film „John Rabe“, bis nach China gereist ist, ist Hans-Joachim Heist, ein gebürtiger Jugenheimer, der seit 30 Jahren Eschollbrücken als seine Heimat bezeichnet, ein Südhesse geblieben. „Das Südhessische ist meine eigentliche Muttersprache“. Er sei hier in Südhessen sozialisiert, sei im Landkreis Darmstadt-Dieburg zu Hause und macht daher auch Dialekttheater. So hat er 2010 zur Pfungstädter 1225-Jahr-Feier mit einem Ko-Autor ein historisches Stück in mehreren Akten in Pfungstädter Mundart geschrieben und als Regisseur mit einer Laienspieltruppe auf die Bühne gebracht, in der die historisch belegte Einführung der Ziegenzucht in Pfungstadt im Mittelpunkt der Handlung steht. Bei den Festspielen „Barock am Main“ schlüpfte er bei der Mundartadaption von Molières „Der Geizige“ in die Rolle des Kommissars. Auch bei der Serie „Diese Drombuschs“ hat er mitgewirkt, um nur einige seiner Dialekt-Produktionen zu nennen.
„Leider scheint die südhessische Mundart zum Aussterben verurteilt“, bedauert er das Verschwinden des Dialekts aus dem Alltag der Südhessen. Genau so sehr bedauert er es, dass sich immer mehr Anglizismen als Denglisch in die Alltagssprache einschleichen. Auch der Hessische Rundfunk, für den Heist ebenfalls gearbeitet hat, produziere keine Dialektprogramme mehr, selbst in den Hessischen „Tatort“-Sendungen habe der Dialekt der Hochsprache Platz gemacht. Dabei ist es der Dialekt, der die Menschen in ihrer Region erdet, so seine Überzeugung. Er bedauert, dass ausgerechnet das Hessische neben dem Sächsischen zu Deutschlands unbeliebtesten Dialekten gehört. „Meine Eltern sind aus der Region, wir haben zu Hause Dialekt gesprochen, er ist für mich Heimat, und es bleibt mein Anliegen, die hiesige Mundart zu fördern.“ So wünscht Heist sich, dass es weiter Kolumnen im Dialekt in den Tageszeitungen gibt oder dass sie sogar noch verstärkt angeboten werden. Auch an die Schulen sollte appelliert werden, damit sie Dialekt im Deutschunterricht anbieten durch einen Mundartsprecher als passenden Lehrer.
Seine durch die Gernot-Hassknecht-Rolle gestiegene Popularität wirke sich auch auf seine anderen Tournee-Programme aus, wie sein Heinz-Erhardt-Programm oder die Soloauftritte als Requisiteur Josef Bieder. „Ich erhalte immer mehr Anfragen von Fernsehsendern, auch für andere Formate als die ‚Heute-Show‘“, berichtet er. Damit habe er gar nicht gerechnet. „Aber es freut mich.“ Als er die ersten Verpflichtungen für die „Heute-Show“ erhielt, trug er sich gerade mit dem Gedanken an ein Tour-Programm mit Loriot-Texten. „Da ist mir echt der Hassknecht dazwischengekommen, das habe ich erst einmal in die Schublade gelegt“, sagt er mit einem Ton des Bedauerns. Erfreut ist er dagegen über die vielen Auszeichnungen, die ihm und dem Team von der „Heute-Show“ als Anerkennung zuteilwurden, wie der Adolf-Grimme-Preis, der Hans-Joachim-Friedrich-Preis und gleich mehrfach der Deutsche Comedy-Preis. Inzwischen sind 2014 für das Team ein „Bamby“ sowie der Deutsche Fernsehpreis hinzugekommen. (Claudia Stehle)
Ein Beitrag von Claudia Stehle für das Buch “Vielfalt hat Gesichter - Menschen in Darmstadt-Dieburg”, Hrsg. LAG im Standortmarkteting Darmstadt-Dieburg e.V., 2. Auflage 2017, ISBN 978-3-00-052844-6
Die Journalistin und Autorin Sabine Börchers hat Hajo Heist bei ihrer Recherche zu dem Ausflugsführer Darmstadt-Dieburg entdecken interviewt.
Vor einigen Jahren ging er mit der Figur auf Tournee durch Deutschland. Der in Seeheim-Jugenheim geborene Südhesse, der seit 1986 in Pfungstadt lebt, hat aber zahllose weitere Rollen verkörpert. Seine Parodien von Heinz Rühmann, Heinz Erhardt oder Theo Lingen sind auf der Bühne ebenso landesweit beliebt. Er trat zudem in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen auf – von der Serie „Diese Drombuschs“ bis hin zu „Löwenzahn“ oder den SOKO-Reihen. Selbst auf der großen Leinwand konnte man Heist bereits erleben, etwa in „John Rabe“ an der Seite von Ulrich Tukur oder in „Sushi in Suhl“. Seiner Heimat ist Hans-Joachim Heist sehr verbunden, was nicht nur am südhessischen Dialekt zu erkennen ist, den er perfekt beherrscht. Er führt auch Regie bei der Laienspielgruppe des TSV Eschollbrücken/Eich. Von 1999 bis 2011 engagierte er sich als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Pfungstadt, seit April 2021 ist er Stadtrat für Kultur und Ehrenamt im Magistrat.
Herr Heist, was ist für Sie das Besondere an Pfungstadt?
Ich wohne in Eschollbrücken. Man lebt dort auf dem Land und doch in einer Metropole, im großen Rhein-Main-Gebiet. Ich bin verkehrstechnisch wunderbar angebunden. Es sind alles kurze Wege nach Darmstadt oder nach Frankfurt. Für mich, der ich in der gesamten Bundesrepublik unterwegs bin, ist es ein sehr günstiger Standort – mitten in Deutschland. Außerdem bin ich seit 35 Jahren hier und sehr integriert ins Vereinsleben. Für mich ist meine Heimat da, wo die Familie ist. Deshalb ist meine Heimat Pfungstadt.
Haben Sie einen Lieblingsplatz?
Einen Platz, an den ich immer wieder zurückkehre, habe ich nicht. Es gibt viele schöne Orte in der Stadt. Der Büchnerpark gefällt mir gut und ich gehe gerne an der Modau entlang spazieren. Ich habe aber einen Lieblingsitaliener in Eschollbrücken.
Sie sind nicht nur im Vereinsleben integriert, Sie waren auch Mitglied der SPD-Fraktion im Stadtparlament und sind auch heute wieder für die Stadt tätig. Was machen Sie genau?
Ich bin Kulturstadtrat und derzeit Botschafter für den Hessentag. Ich trage die Botschaft des Hessentages hinaus in die Welt. Es gab in Pfungstadt vor genau 50 Jahren bereits eine solche Veranstaltung, die ein großer Erfolg war. Das wollen wir wiederholen. Pfungstadt ist 2023 zehn Tage lang die Hauptstadt Hessens und damit in allen Medien präsent. Das wird ein großer Imagegewinn für die Stadt.
Werden Sie auch auftreten?
Das ist bisher nicht vorgesehen. Ich habe aber schon häufiger in Pfungstadt auf der Bühne gestanden und Regie geführt, etwa 2010 zur 1225-Jahr-Feier der Stadt bei unserem Stück „Pungschd bleibt Pungschd“.
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